Samstag, 04. Februar 2012
 

Obergrashof heißer Förder-Preis-Aspirant

Jury begutachtete bio-dynamischen Gärtnerei- und Landbaubetrieb

Die Ärztin Cornelia Baur bekam diesen stattlichen 1120 Kilogramm schweren Ochsen Ringo als Kälbchen geschenkt und rettete ihn vor dem Metzger. Heute setzt sie ihn für die Tier-gestützte Therapie für Menschen ein.
Die Ärztin Cornelia Baur bekam diesen stattlichen 1120 Kilogramm schweren Ochsen Ringo als Kälbchen geschenkt und rettete ihn vor dem Metzger. Heute setzt sie ihn für die Tier-gestützte Therapie für Menschen ein. (Gramm)
Obergrashof (OG) ·  Der 65 Hektar große bio-dynamische Gärtnerei- und Landbaubetrieb Obergrashof der Gärtnermeister Julian Jacobs und Peter Stinshoff hat sich um den bundesweiten Förderpreis für den ökologischen Landbau beworben und kam unter 70 Bewerbern in die Finalrunde der besten sechs. Deshalb kam am vergangenen Mittwoch eine fünfköpfige unabhängige Jury zum Obergrashof, der im Besitz der Landeshauptstadt München ist. Jacobs und Stinshoff haben sich verpflichtet, hier ausschließlich ökologischen Landbau zu betreiben. Mit im Schlepptau der Jury waren Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums – Ministerin Ilse Aigner (CSU) wählt im November aus den Vorschlägen der Jury die Preisträger aus und gibt sie auf der Grünen Woche Anfang 2011 in Berlin bekannt.

Dass der Obergrashof gar keine so schlechten Chancen hat, ließ das wissenschaftliche Jurymitglied Jürgen Heß, Professor der Universität Kassel im Gespräch mit dem „Kurier Dachau“ durchblicken: Die Vielfalt des Obergrashofes sei beeindruckend. Ob es sich um die Züchtung samenfester (aus sich selbst vermehrbarer) Gemüsesorten handele, die im Gegensatz zu den heute üblichen nur einmal keimenden so genannten Hybridsamen der großen Saatgutkonzerne stehen. Oder um die Spitze der Entwicklung bei der Dammkultur, bei der mit dem Pflug Dämme aufgeschüttet werden, auf denen die Pflanzen wachsen. Das Wasser fließt laut Stinshoff in die kleinen Gräben dazwischen und sorgt so für geringeren Pilzbefall. 
Doch Jacobs und Stinshoff hatten noch viel mehr zu bieten. Die Wiederzüchtung des Münchner Radis „aus Krümeln“ dürfte ihn in weiteren zwei Generationen vor dem Verschwinden bewahren. Die Zucht der Murnau-Werdenfelser Rinder, die schon fast ausgestorben waren. Heute steht mit 65 Tieren die zweitgrößte Herde Bayerns auf dem Obergrashof. Daneben beeindruckten Schafhaltung, eigene Käserei und der seit 13 Jahren bestehende Hofladen für die Direktvermarktung vorwiegend an Stammkunden. Ein Kindergarten nach Walldorf-Konzept für zehn Kinder aus Dachau und Karlsfeld integriert den Obergrashof in seine Nachbarschaft und lässt bei den Kindern gar keine Hemmnisse gegen den ökologischen Landbau aufkommen. Die Ärztin Cornelia Baur mit ihrem Ochsen Ringo betreibt am Obergrashof Tier-gestützte Therapie. Eigene Bienenzucht – sieben Schwärme flogen dem Obergrashof heuer zu –, bio-dynamischer Kreislauf, der aus Tierdung, Bioabfällen und Steinmehl Kompost zur natürlichen Düngung erzeugt und vieles mehr schlugen auf der Haben-Seite zu Buche.